Sonntag, 13. April 2008

Das Steinzeit-Massaker von Talheim













Ackerbauern der Linienbandkeramischen Kultur (etwa 5500-4900 v. Chr.) - Ausschnitt aus einem Ölgemälde, das der Künstler Fritz Wendler eigens für Buch "Deutschland in der Steinzeit" (1991) von Ernst Probst geschaffen hat.

Talheim / Mettmann (anthropologie-welt) - "Steinzeit-Massaker. Tatort Talheim" heißt eine ungewöhnliche Ausstellung, die 2008 von Februar bis Juni im Neanderthal-Museum in Mettmann zu sehen ist. Thema der Schau ist ein brutaler Massenmord, bei dem im der Jungsteinzeit vor etwa 7000 Jahren insgesamt 34 Menschen (darunter 16 Kinder und Jugendliche) ihr Leben verloren.

Im Frühjahr 1983 entdeckte der Landwirt Erhard Schoch auf dem Areal seines Aussiedlerhofes in Talheim bei Heilbronn (Baden-Württemberg) beim Ausheben eines Frühbeetes zahlreiche menschliche Knochen. In der Folgezeit bargen Archäologen des Landesdenkmalamtes Stuttgart insgesamt 34 Skelette. Die Tatzeit konnte auf 5.000 v. Chr. datiert werden.

Nach den Funden zu schließen wurde vor rund 7000 Jahren ein ganzes Dorf massakriert: aus dem Hinterhalt überfallen, mit Pfeilen erschossen oder mit Steinbeilen erschlagen. Bei den Opfern handelte es sich um Angehörige der Linienbandkeramischen Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.), die nach den bänderartigen Verzierungen ihrer Tongefäße benannt ist.

Jeder der 34 Ermordeten aus Talheim hat in der Ausstellung einen persönlichen Steckbrief. Eine außergewöhnliche Momentaufnahme lässt teilhaben am Schicksal von Kindern, Frauen und Männern aus der jüngeren Steinzeit vor mehr 7000 Jahren, die bereits Ackerbau, Viehzucht und Töpferei betrieben.

"Steinzeit-Massaker. Tatort Talheim" ist eine Ausstellung des "Archäologie-Museums Heilbronn". Zur Schau im "Neanderthal Museum" erschien ein Begleitbuch für 8 Euro.

Das umfangreiche Rahmenprogramm der Ausstellung bietet Führungen, kriminalhistorische und technische Vorträgen, ein gruseliges Live-Hörspiel sowie für Kinder und Jugendliche eine Kriminacht mit detektivischem Programm. Für Schulklassen sind Forensik-Workshops, in denen es ein fiktiver Mordfall aufgeklärt werden soll, im Angebot.

Die ältesten künstlichen Zähne

Die ältesten künstlichen Zähne kennt man von den Etruskern in Italien aus der Zeit vom 8. bis 4. Jahrhundert v. Chr. Funde aus Gräbern beweisen, daß die Etrusker künstliche Zähne mit feinen Goldbändern an den benachbarten stabilen Zähnen befestigten. So verfuhr man auch mit losen menschlichen Zäh­nen. Künstliche Zähne wurden unter anderem aus Kalbszähnen sorgfältig zurechtgefeilt. Mit diesen Ersatzzähnen konnte man zwar nicht gut beißen, aber sie sahen besser aus als eine Lücke.

Die früheste Schädeloperation der Inkas am Titikakasee

Die früheste Schädeloperation der Inkas am Titikakasee wurde um 1000 v. Chr. vorgenommen.

Die erste Schädeloperation in Ägypten

Die erste Schädeloperation in Ägypten ist nach 1500 v. Chr. zur Zeit der 18. Dynastie erfolgt.

Die meisten mißglückten Schädelope­rationen der Urgeschichte

Die meisten mißglückten Schädelope­rationen der Urgeschichte gab es zur Zeit der bronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur (vor etwa 2000 v. Chr.). Damals sind - im Gegensatz zur Jungsteinzeit - nur noch etwa 72 Prozent der Schädeloperationen gelungen. Die Ursache für diese geringere Heilungsquote ist unbekannt.

Die älteste gelungene Behandlung eines Kieferbruches

Die älteste gelungene Behandlung eines Kieferbruches wurde bei einer Frau der Schnurkeramischen Kultur (vor etwa 2800 bis 2400 v. Chr.) aus Braunsberg in Brandenburg beobachtet. Ihr Unter­kiefer war auf beiden Seiten gebrochen und ist wieder problemlos zusammenge­wachsen. Dies ist ohne sorgfältige medi­zinische Behandlung nicht denkbar.

Die älteste mißlungene Schädelopera­tion aus der Schweiz

Die älteste mißlungene Schädelopera­tion aus der Schweiz kennt man aus der Zeit der Cortaillod-Kultur (vor etwa 4000 bis 3500 v. Chr.). Sie wurde an einer Frau aus dem Gräberfeld Barmaz II im Kanton Wallis kurz vor oder nach dem Tode in Nähe der Augenhöhle vorgenom­men. Die Knochenränder der Öffnung zeigen keine Heilungsspuren.

Die meisten gelungenen Schädelopera­tionen (Trepanation) der Jungsteinzeit

Die meisten gelungenen Schädelopera­tionen (Trepanation) der Jungsteinzeit (vor etwa 5500 bis 2000 v. Chr.) in Mit­teleuropa erfolgten zur Zeit der Trichter­becher-Kultur (vor etwa 4300 bis 3000 v. Chr.), der Walternienburg‑Bernburger Kultur (vor etwa 3200 bis 2800 v. Chr.) und der Schnurkeramischen Kultur (vor etwa 2800 bis 2400 v. Chr.). Die von Medizinmännern der Walternienburg­-Bernburger Kultur vorgenommenen Schädeloperationen sind - nach den Funden mit verheilten Wundrändern zu schließen - etwa zu 90 Prozent gelun­gen. Zu solchen Eingriffen entschloß man sich bei schweren Krankheiten oder bei Schädelverletzungen. Damit der Patient die Schmerzen besser ertragen konnte, dürfte man ihm ein berauschen­des Getränk gegeben haben.

Die ältesten Schulen für Schädelchirur­gen

Die ältesten Schulen für Schädelchirur­gen gab es im Lozère-Tal in Südfrank­reich. Dort ist nach Ansicht des Berliner Anthropologen Herbert Ullrich die Kunst der Schädeloperation (Trepanation) ent­wickelt und weiterentwickelt worden. Dies könnte bereits um 4500 v. Chr. geschehen sein.

Die früheste Einrichtung und Ruhigstel­lung eines gebrochenen Armes

Die früheste Einrichtung und Ruhigstel­lung eines gebrochenen Armes kennt man aus der Zeit der erwähnten Linien­bandkeramischen Kultur. Sie erfolgte bei einem Mann aus dem Gräberfeld vom Viesenhäuser Hof bei Stuttgart­-Mühlhausen, dessen linker Unterarm gebrochen war und dank medizinischer Fürsorge gut verheilt ist.

Als eine der ersten mißlungenen Schä­deloperationen

Als eine der ersten mißlungenen Schä­deloperationen gilt der Eingriff am Schädel eines Bauern der Linienband­keramischen Kultur (vor etwa 5500 bis 4900 v. Chr.) aus dem Gräberfeld von Höhnheim-Suffelsweyersheim im Elsaß (Frankreich). Die Feuersteinklinge, mit der die Operation vorgenommen wurde, steckte noch im Schädel. Derartige Schädeloperationen, bei denen man das Schädeldach mit Feuersteinwerk­zeugen öffnete, bezeichnet man als Trepanation.

Die früheste Operation in der Geschichte der Menschheit

Die früheste Operation in der Geschichte der Menschheit wurde vielleicht schon zur Zeit der späten Neandertaler vor mehr als 50 000 Jahren vorgenommen. Es handelt sich möglicherweise um die Amputation eines Armes an einem Neandertaler, dessen Skelettreste in Shanidar (Irak) gefunden wurden. Der Arm war entweder krank oder verletzt gewe­sen. Einige Anthropologen bezweifeln allerdings, daß eine Amputation vorliegt.

Der älteste Wadenbeinbruch

Der älteste Wadenbeinbruch wurde bei einem Mann der Glockenbecher-Kultur (vor etwa 2500 bis 2200 v. Chr.) im Orts­teil Kötzschen von Merseburg (Sachsen­Anhalt) beobachtet. Außer dem Waden­bein waren auch die linke Speiche, die Elle und eine Rippe gebrochen und ver­heilt.

Die ältesten Schußverletzungen

Die ältesten Schußverletzungen kennt man bei Angehörigen der Chamer Grup­pe und der Walternienburg-Bernburger Kultur. Diese beiden Kulturen der Jungsteinzeit dauerten etwa von 3500 bis 2700 v. Chr. Die Schußverletzung aus der Chamer Gruppe wurde auf dem Scheitelbein eines erwachsenen Mannes aus Moosham bei Regensburg in Bayern festgestellt. Dabei handelt es sich um ein spitzovales Loch von 1,2 x 0,8 Zen­timeter Größe. Die Schußverletzung aus der Walternienburg-Bernburger Kultur ließ sich am Oberarm eines Mannes aus Niederbösa in Thüringen nachweisen. Im Knochen steckte noch die Pfeilspitze aus Feuerstein, trotzdem ist die Wunde verheilt.

Die frühesten Finger- und Zehenbrüche

Die frühesten Finger- und Zehenbrüche sind aus Steinkammergräbern der Wart­berg-Gruppe (etwa 3500 bis 2800 v. Chr.) von Altendorf und Calden in Hes­sen bekannt. Sie sind verheilt.

Der älteste Rippenbruch

Der älteste Rippenbruch wurde bei ei­nem Angehörigen der erwähnten Trichterbecher-Kultur festgestellt, der auf der Insel Liepse im Krakower See bei Gü­strow in Mecklenburg bestattet worden war. Er hatte sich zu Lebzeiten alle Rip­pen und ein Bein gebrochen und litt wahrscheinlich zeitweise unter stechenden Schmerzen. Die gebrochenen Knochen sind wieder geheilt, und der Mann hat diese schweren Verletzungen überlebt.

Der älteste Unterkieferbruch in Deutsch­land

Der älteste Unterkieferbruch in Deutsch­land wurde an einer Bestattung der Trichterbecher-Kultur (vor etwa 4300 bis 3000 v. Chr.) von Henglarn bei Pa­derborn in Nordrhein-Westfalen beob­achtet. Er ist gut verheilt.

Die meisten Hiebspuren von Steinbeilen aus der Jungsteinzeit

Die meisten Hiebspuren von Steinbeilen aus der Jungsteinzeit stellte man an den Skeletten im Massengrab von Talheim bei Heilbronn (Baden-Württemberg) fest. Dort wurden die Skelettreste von mindestens 34 Männern, Frauen, Ju­gendlichen und Kindern aus der Linien­bandkeramischen Kultur ohne erkenn­bare Ordnung vorgefunden. Sie waren offensichtlich die Opfer eines Überfalls.

Der älteste Erstickungstod eines Kindes

Der älteste Erstickungstod eines Kindes ist aus der Zeit der erwähnten Linien­bandkeramischen Kultur bekannt. Es handelt sich um ein Kind aus dem Ortsteil Zauschwitz von Weideroda in Sachsen, das unter einer zusammenge­brochenen Hüttenwand verschüttet wurde.

Die ältesten Armbrüche aus der Jung­steinzeit

Die ältesten Armbrüche aus der Jung­steinzeit (vor etwa 5500 bis 2000 v. Chr.) kennt man aus der Linienbandkerami­schen Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.). Bei einem Mann vom Viesenhäu­ser Hof bei Stuttgart-Mühlhausen ist der gebrochene Unterarm gut verheilt, bei einem anderen Mann aus Westeregeln unweit von Magdeburg dagegen wuchs der gebrochene Unterarm wieder schief zusammen.

Besonders viele Hiebverletzungen an Schädeln

Besonders viele Hiebverletzungen an Schädeln erkannte man unter den Kopfbestattungen aus der Mittelsteinzeit frü­her als 5500 v. Chr. in der Großen Ofnethöhle bei Nördlingen (Bayern). Von den insgesamt 33 Schädeln von Männem, Frauen und Kindern weisen fünf Verletzungen durch eine Hiebwaffe auf. An weiteren zehn Schädeln wurden Spu­ren beobachtet, die sich mehr oder min­der als Hiebverletzungen deuten lassen. Schnittspuren an den Halswirbeln bele­gen, daß die Schädel mit Gewalt vom Hals getrennt wurden.

Der älteste Armbruch

Der älteste Armbruch ließ sich an den Skelettresten des berühmten Neander­talers aus dem Neandertal bei Düssel­dorf-Mettmann nachweisen. Diesem Menschen war vor etwa 70 000 Jahren bei einem Kampf oder Oberfall der linke Unterarm gebrochen worden. Der Bruch ist zwar verheilt, aber so, daß der Arm verkürzt wurde und unnatürlich zum Körper gewinkelt war. Dieser Neander­taler hatte außerdem Verletzungsspu­ren am Schädel, die von Gewalteinwir­kungen stammen.

Die älteste Hiebverletzung aus Deutsch­land

Die älteste Hiebverletzung aus Deutsch­land hat man an der linken Schläfensei­te einer Frau entdeckt, die vor etwa 300 000 Jahren in der Gegend von Steinheim an der Murr in Baden-Württemberg existierte. Diese Frau wird zu den frühen Neandertalern oder Steinheim-Menschen gerechnet. Der Steinheimer Fund gilt als Zeugnis für eine aus rituellen Motiven erfolgte Tötung. Danach soll der Kopf der Frau vom Hals abgetrennt, geöffnet und möglicherweise ihr Gehirn verspeist worden sein.

Die ältesten bekannten Verletzungen von Menschen durch Waffen

Die ältesten bekannten Verletzungen von Menschen durch Waffen wurden an Schädeln von Frühmenschen aus der Zeit vor etwa 350 000 Jahren in der Höhle von Choukoutien bei Peking in China entdeckt. Von dort kennt man Skelettreste von etwa 40 Frühmenschen der Unterart Homo erectus pekinensis.

Der früheste Unterkieferbruch

Der früheste Unterkieferbruch ist von ei­nem zwölfjährigen Kind von Sangiran auf Java aus der Zeit vor etwa 700 000 Jahren bekannt. Die Fraktur könnte durch einen Unfall entstanden sein und dürfte sehr schmerzhaft gewesen sein. Sie verwuchs unregelmäßig, verheilte aber gut. Vermutlich ist der Unterkiefer zeitweise ruhiggestellt und das Kind mit besonderer Nahrung versorgt worden.

Die ältesten Bißverletzungen

Die ältesten Bißverletzungen wurden im Schädel eines vor mehr als 1 Million Jahren lebenden Vormenschen der Gat­tung Australopithecus entdeckt, der in einer Kalksandsteinhöhle bei Swart­krans in Südafrika zum Vorschein kam. Die Löcher im Schädel stammen von ei­nem Leoparden, der seine Eckzähne in den Kopf eines Australopithecus geschlagen hatte.

Der früheste Wurmbefall

Der früheste Wurmbefall wurde in Exkre­mentenfunden aus der La-Tène-Zeit (vor etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt) vom Dürrnberg bei Hallein im österreichi­schen Bundesland Salzburg nachgewie­sen.

Die meisten Falle von Zahnbetterkran­kungen

Die meisten Falle von Zahnbetterkran­kungen (Paradontose) wurden im früh­bronzezeitlichen Gräberfeld von Groß­brembach in Thüringen festgestellt, das der Aunjetitzer Kultur (vor etwa 2000 v. Chr.) angehört. Dort waren 81,6 Prozent der 108 Bestatteten an Paradontose er­krankt. An dieser Krankheit litten in Großbrembach auch schon einige Ju­gendliche und Kinder.

Einer der frühesten Turmschädel

Zu den frühesten Turmschädeln zählt ein Fund aus Neugattersleben in Sachsen-­Anhalt, welcher der Glockenbecher-Kul­tur (vor etwa 2500 bis 2200 v. Chr.) zugerechnet wird. Die Ursache für diese Fehlentwicklung waren frühe Entwicklungsstörungen.

Der älteste Fall eines nicht mehr beweg­lichen rechten Hüftgelenkes

Der älteste Fall eines nicht mehr beweg­lichen rechten Hüftgelenkes ist aus ei­nem Grab der Schnurkeramischen Kul­tur (vor etwa 2800 bis 2400 v. Chr.) von Erfurt in Thüringen bekannt. Der Ge­lenkkopf des Oberschenkels und die Ge­lenkpfanne des Hüftbeins waren von der Altersgicht (Arthritis deformans) betrof­fen.

Die früheste Verbiegung des Brustbeins

Die früheste Verbiegung des Brustbeins kennt man an einem Skelett aus Nieder­bösa in Thüringen, das der Walternien­burg-Bernburger Kultur (vor etwa 3200 bis 2800 v. Chr.) zugerechnet wird. Als Ursache gelten Vitaminmangelerkran­kungen.

Die älteste Falle von Blutarmut

Zu den ältesten Fallen von Blutarmut (Anämien) und Wachstumsstillständen der Knochen gehören diejenigen aus Gräbern der Wartberg-Gruppe (vor etwa 3500 bis 2800 v. Chr.) in Altendorf und Calden in Hessen.

Die ältesten chronischen Schleimhaut­entzündungen

Die ältesten chronischen Schleimhaut­entzündungen wurden zur Zeit der Ba­dener Kultur (vor etwa 3600 bis 2900 v. Chr.) in Österreich nachgewiesen. Dar­an litten ein junger Mann aus Wagram an der Traisen und ein Mann aus Lich­tenwörth in Niederösterreich.

Der älteste Todesfall einer schwangeren Frau aus der Jungsteinzeit

Der älteste Todesfall einer schwangeren Frau aus der Jungsteinzeit ist aus Zauschwitz in Sachsen bekannt. Dort war eine Jugendliche mit einem Ungeborenen im Becken gestorben. Sie gehörte der Baalberger Kultur (vor etwa 4300 bis 3700 v. Chr.) an.

Die ältesten Falle von eitrigen Wurzelhautentzündungen

Die ältesten Falle von eitrigen Wurzelhautentzündungen wurden an den Ober- und Unterkiefern von Angehöri­gen der Trichterbecher-Kultur (vor etwa 4300 bis 3000 v. Chr.) in Alt Reddewitz auf der Ostseeinsel Rügen festgestellt. Auch die frühesten Nachweise der "Hockerfacette" oder die Abknickung des Schienbeinkopfes nach hinten wurden am erwähnten Fundort Alt Reddewitz erkannt. Diese Erscheinungen sind durch häufiges Hocken auf den Fersen entstanden.

Die meisten Fälle von Vitaminmangel-Er­krankungen aus der Jungsteinzeit

Die meisten Fälle von Vitaminmangel-Er­krankungen aus der Jungsteinzeit er­kannte man an Skelettresten von Ange­hörigen der Hinkelstein-Gruppe (vor et­wa 4900 bis 4800 v. Chr.) in Rheinland-­Pfalz. Entsprechende Nachweise gelangen in den Gräberfeldern von Worms-Rheingewann und Worms-­Rheindürkheim.

Die meisten Krebsfälle in der Jungstein­zeit

Die meisten Krebsfälle in der Jungstein­zeit wurden in einem Gräberfeld der Linienbandkeramischen Kultur (vor etwa 5500 bis 4900 v. Chr.) vom Viesenhäuser Hof bei Stuttgart-Mühlhausen beob­achtet. Dort litt offenbar jeder Fünfte der hier rund 80 Bestatteten an einem bös­artigen Tumor. Vielleicht hatte man an dieser Stelle einen "Seuchenfriedhof", angelegt, in dem fast ausschließlich die Opfer von schweren Krankheiten beerdigt wurden.

Der früheste Fall von Fehlbiß in der Schweiz

Der früheste Fall von Fehlbiß in der Schweiz liegt aus der Mittelsteinzeit um 6200 v. Chr. vor. Betroffen davon war eine Frau aus der Basisgrotte von Birsmatten (Kanton Bern), deren Zähne auf der linken Seite merklich stärker abge­kaut sind als die auf der rechten. Sie hat also vorwiegend links Nahrung gekaut.

Einer der frühesten Fälle von Gelenkver­formung

Zu den frühesten Fällen von Gelenkver­formung (Arthrosis deformans) gehören die Anzeichen für diese Krankheit an den Gelenkflächen des linken Schulter-, rechten Ellenbogen- und Kniegelenkes der erwähnten mittelsteinzeitlichen Frau aus Bad Dürrenberg. Dabei handelt es sich offenbar um Verschleißerscheinungen.

Die am stärksten abgekauten Zähne

Die am stärksten abgekauten Zähne trug eine Frau aus Bad Dürrenberg aus Sachsen-Anhalt, die in der Mittelstein­zeit lebte. Sie waren bereits bis zur Zahnmarkhöhle abgeschliffen. Nur die Backenzähne hatten noch Kontakt beim Zubeißen.

Einer der frühesten Wasserköpfe

Einer der frühesten Wasserköpfe wurde in der Höhle Hohlenstein-Stadel bei Asselfingen in Baden-Württemberg entdeckt. Es handelt sich um den Schädel eines zwei- bis vierjährigen Kindes, der dort zu­sammen mit den Schädeln einer Frau und eines Mannes zum Vorschein kam. Die drei Menschen haben früher als 5800 v. Chr. in der Mittelsteinzeit gelebt.

Die ältesten Infektionen des Wurzelkanals von Zähnen

Die ältesten Infektionen des Wurzelkanals von Zähnen wurden bei einer Frau aus der Mittelsteinzeit (vor etwa 8000 bis 5000 v. Chr.) festgestellt, die in Unseburg in Sachsen-Anhalt gefunden worden ist. Außerdem hatte sie Zahnstein.

Der früheste Fall von Karies in der Schweiz

Der früheste Fall von Karies in der Schweiz ist an einem mehr als 50 000 Jahre alten Neandertaler-Gebiß von Cotencher (Kanton Neuenburg) erkannt worden. Von den insgesamt zehn erhaltenen, teilweise stark abgekauten Zäh­nen im Oberkiefer waren zwei von Karies befallen.

Das früheste schiefe Gesicht

Das früheste schiefe Gesicht kennt man von einer etwa 50 bis 60 Jahre alten Frau von Binshof bei Speyer in Rheinland-Pfalz. Ihr Gesichtsskelett und der Gehirnschädel waren asymmetrisch geformt. Die Frau lebte vor etwa 22 000 Jahren. * Das geologische Alter dieses Fundes ist umstritten!

Der älteste Nachweis von Geschwülsten

Der älteste Nachweis von Geschwülsten (Gehirntumor oder Zysten) bei Jetztmenschen gelang am Schädel eines etwa 20 Jahre alten Mannes aus der Vogelherd­höhle, der ebenfalls vor etwa 32 000 Jahren existierte. Davon zeugt eine leichte Verwölbung der Schädeldecke. Eine Geschwulst im Schädel hatte vermutlich auch eine etwa 50 Jahre alte Frau aus Kelsterbach bei Frankfurt am Main, die vor mehr als 32 000 Jahren starb. * Das gelogische Alter dieser Funde ist umstritten!

Der früheste Fall von Bandscheibenschäden

Der früheste Fall von Bandscheibenschäden wurde an dem erwähnten Mann aus der Vogelherdhöhle erkannt. Er führte zum Verwachsen zweier Len­denwirbel infolge eines Bandscheiben­schadens.

Der älteste Fall einer Kiefergelenkan­omalie

Der älteste Fall einer Kiefergelenkan­omalie bei einem Jetztmenschen des Typs Homo sapiens sapiens wurde am Kiefergelenk eines vor etwa 32 000 Jah­ren lebenden, 40 bis 50 Jahre alten Mannes aus der Vogelherdhöhle bei Stetten in Baden‑Württemberg nachge­wiesen. Er muß Schmerzen beim Kauen gehabt haben. * Das geologische Alter dieses Fundes ist umstritten!

Die ältesten Hyperostosen im Schädel

Die ältesten Hyperostosen im Schädel (Anlagerungen neuer Knochensubstanzen) wurden an der Innenfläche des Schädeldaches des berühmten Neandertalers aus dem Neandertal bei Düsseldorf-Mettmann in Nordrhein-Westfalen festgestellt. Dieser Mensch ist vor etwa 70 000 Jahren gestorben. Solche Hyperostosen kommen häufig bei alten Leuten vor und beruhen auf pathologischen Prozessen wie Zuckerkrankheit oder Nierenerkrankungen.

Die älteste nachgewiesene Knochen­markeiterung

Die älteste nachgewiesene Knochen­markeiterung wurde bei einem mutmaß­lichen frühen Neandertaler aus Ehringsdorf bei Weimar in Thüringen festge­stellt, der vor etwa 220 000 Jahren lebte. Zugleich litt er an einer eitrigen Zahnbetterkrankung.

Die älteste Fettgewebsgeschwulst

Die älteste Fettgewebsgeschwulst (Lipom) wurde auf den Schädelknochen eines Frühmenschen (Homo erectus bilzingslebenensis) aus Bilzingsleben in Thüringen erkannt. Sie saß am rechten Augenhöhlendach. Der daran erkrankte Frühmensch hat vor etwa 300 000 Jahren gelebt.